Under Coercion 13.2 - 9.3.1997

Ausstellungsprojekt mit Beth B., Assaf Etiel und Graham Harwood.

In den Gesellschaften der neuzeitlichen Industrienationen, dort wo soziale Enge und gesellschaftliche Zwänge sich ausbreiten, ereignen sich immer selbstverständlicher menschliche Störfälle und Systemfehler.

Die künstlerische Auseinandersetzung mit dieser Welt führt Künstler und Künstlerinnen wie Beth B., Assaf Etiel oder Graham Harwood in dieser Ausstellung zusammen.
Hier steht nicht die Sensation im Mittelpunkt, sondern der analytische Versuch, Unbegreifliches, ja Unvorstellbares in künstlerische Vokabeln zu übersetzen.



Beth B. ist US Künstlerin aus New York.
Neben einer Reihe von Videobändern und Filmen beschäftigte sie sich auch in begehbaren Objekten und Installationen mit der Umsetzung eines ihrer zentralen Themen, der Gewalt an Opfern und Tätern.


In ihrer Installation Under Lock and Key fordert sie die Besucher auf, in einer von vier Isolationszellen Platz zu nehmen und der monotonen Stimme eines Inhaftierten zuzuhören.
Alle Zellenelemente visualisieren mit deprimierender Trostlosigkeit den Seelenzustand derer, die hier mit Strafe geheilt werden.
Auf der Rückseite der Installation zeigen zwei Videoprojektionen die Gesichter von Menschen die sowohl Opfer als auch Täterstatements zitieren.


Ohne bewertende Gleichmachung porträtiert Beth B. die persönlichen Qualen und Visionen derer, die unter Zwang Gewalt erfahren haben.


Assaf Etiel ist israelischer Künstler, der in den Niederlanden lebt.
In seiner Installation My Little Pony befa§t er sich mit gesellschaftlicher Tabuisierung von Sexualität und einer damit einhergehenden kontinuierlichen Präsenz individueller Perversionen.


Drei überdimensionale Schaukelpferde wiegen den erwachsenen Besucher in kindlichen Erinnerungen.
Wer jedoch die Video- und Sprachsequenzen von Zwang, Demütigung und Gehorsam auf den Monitoren verfolgt, die im Nacken dieser trojanischen Holzgestelle eingelassenen sind, fühlt sich schmerzlich angesprochen.


Die scratchartige Kollage setzt sich aus Fragmenten von Spiel-, Kinder-, Werbe- und Lehrfilmen, gemischt mit Onkelgeschichten, originalen Tonbanddokumenten Geouteter sowie Statements von Betroffenen zusammen und führt weit über einen rein konzeptuellen Ansatz hinaus.

Diese attackierende Direktheit ist allen Arbeiten Etiels gemein und kennzeichnet sein künstlerisches Konzept auf besondere Weise.


Der Londoner Künstler Graham Harwood stellt mit seiner Arbeit Rehearsal of Memory die Frage nach Normalität in unserer Gesellschaft.

Die CD-Rom Installation beschäftigt sich mit den Lebenserfahrungen der Menschen des Ashworth Maximum Security Hospital. Die Mehrzahl der dortigen Insassen gelten offiziell als "unzurechnungsfähige Verbrecher".

In Rehearsal of Memory geht es um die Aufzeichnung des Lebens von einer Gruppe von Patienten.

Aus den unterschiedlichen physischen Merkmalen der verschiedenen Menschen wurde eine zusammengesetzte Person konstruiert.
Dieser künstliche Charakter gibt die Struktur vor, durch die der Benutzer der Installation zu den Aufzeichnungen der bedeutsamsten Erlebnisse und Erinnerungen der beteiligten Menschen gelangen kann.
Die Betrachter werden so mit Ihren eigenen Vorstellungen von geltender Ordnung und abweichendem Verhalten konfrontiert.